Ein Gespräch mit O.M. Gott

Herr Gott, Sie sind Mitglied des Schundbüros. Was ist das Schundbüro?

Gott: Eine Vereinigung von KriminalautorInnen, die sich der alten Tradition des Heftchenromans annehmen wollen. Will sagen: Gradlinig, ohne pseudointellektuelle Schnörkel, unterhaltsam und abseits der jeweiligen Kritikastermoden.

Und nicht länger als 60 Seiten?

Genau. Längere Erzählungen also, deren früher durchaus vorhandener Markt inzwischen ja fast völlig weggebrochen ist und der erst durch den Siegeszug des E-Books so allmählich wieder aus den Sümpfen des Weitschweifigen auftaucht.

Aber warum „Schund“? Mir scheint so, Sie kokettieren ein wenig mit diesem Begriff, so wie alle Welt mit „Pulp“ oder „Noir“ kokettiert und dann doch nur, nun ja, den üblichen Versatzstückmist abliefert.

Nein, das mit dem Schund sollten wir vom Kopf auf die Füße stellen. Was ist Schund? Schund ist schlecht geschriebenes, verquastes Zeugs. Wenn die dichtende Hausfrau mal die Sau rauslassen will und der freizeitschriftstellernde kaufmännische Angestellte seine sexuelle Verkniffenheit mal so richtig auslebt. Andererseits: Schund heißt auch immer unehrlich, aufgesetzt, pseudoliterarisch. Und da wären wir bei zeitgenössischen Kriminalromanen. Nicht nur den deutschen, aber auch bei denen. Die meisten sind – Mist. „Mehr als Krimis“, „Krimis mit Anspruch und Tiefe“, Krimis, in denen mindestens zwei Thesen von Sigmund Freud durchgekaut werden müssen und so weiter. Verquast, unehrlich und meistens miserabel geschrieben, ergo: Schund. Dem wollen wir ein Gegengewicht auf die Schultern packen.

Schön. Wie werde ich nun Mitglied des Schundbüros?

SIE? (lacht) Indem Sie schreiben lernen! Nein, mal ernsthaft. Es gibt tatsächlich nur dieses eine Kriterium. Man muss auf den Punkt schreiben können, die Leute nicht langweilen und mit Lust bei der Sache sein. Was wir nicht wollen, sind Regioscheiße, Depri-Schweden-Scheiße, Deutscher-Humor-Scheiße und Bedeutungsschwangerschaftskacke. Wir wollen aber nicht nur Hardboiled bringen. Da sind wir völlig flexibel. Humor wird gern gesehen, aber bitte schlackenlos, heftig, auf den Punkt.

Wer gehört bisher zum Schundbüro?

Vier AutorInnen. Allesamt ausgewiesene Könner, die ihr Repertoire erweitern und den Kurzroman neu beleben wollen. InteressentInnen sind willkommen, wir nehmen aber nicht jeden und jede.

Und alle schreiben unter Pseudonym? Warum eigentlich?

Weil es Spaß macht! Weil wir NOCH beides fein säuberlich voneinander trennen wollen.

Okay. Darf man zum Abschluss fragen, warum Sie ausgerechnet O.M. Gott als Pseudonym gewählt haben?

Man darf. Es hat familiäre Gründe. Mein Vater las sehr gerne die Romane des heute leider fast wieder vergessenen deutschen Autors Oskar Maria Graf. Und meine Mutter schwärmte für Karel Gott, die sogenannte „Goldene Stimme aus Prag“.

Oh mein… Das heißt, Sie hatten eine schwere Kindheit.

Kann man so sagen. Vor allem weiß ich, wie sich Hochliteratur und Schund aneinander reiben können, wie es kracht, wenn sie aufeinanderprallen. Genau darum geht es irgendwie. Die Begriffe klären. Noch Fragen?

Eine noch. Wann erscheint das erste Werk der neuen Schundhefte!-Reihe?

Sehr bald. Ich habe die Ehre, es schreiben zu dürfen. Es wird „Plausch mit meinem Mörder“ heißen, ca. 60 Seiten stark sein, 4,90 als Papierbuch und 2,69 als E-Book kosten. Vorläufig alles nur über Amazon, das Papierbuch auch direkt vom Schundbüro, dann kommen aber 1,60 Porto und Verpackung dazu, sorry, geht momentan nicht anders.

Ich danke für dieses Gespräch.

Ich auch.

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