Diversifikation

Der SVS (Stapel veröffentlichter Schundhefte) wird höher und höher. Damit steigt jedoch auch die Unsicherheit bei euch, den Konsumentinnen und Konsumenten. Denn: Was ist denn nun drin, wenn “Schund” draufsteht? Nur Krimischund? Dazu eine kleine Anmerkung unseres wissenschaftlichen Mitarbeiters, Herrn Rudolph, der für seine monatlich vier Euro Aufwandsentschädigung auch mal was schreiben und ein paar hübsche Fremdwörter (Diversifikation! Wow!) auf unseren Blog kleistern kann.

Ja, welcher Schund ist denn nun in den Schundheften? Geplant war die Reihe als eine Spielwiese für AutorInnen der verbrechensverarbeitenden Industrie. Mit O.M. Gotts inzwischen hochgelobtem “Plausch mit meinem Killer” beginnt es auch klassisch hardboiled. Hans I. Glocks “Beiß die Zähne zusammen, alter Schwede” persifliert auf unnachahmliche Art das Agententhrillergenre, weist durch seine formale Offenheit aber auch schon auf den durchaus intendierten Experimentalcharakter der Reihe. Mit Isa Oblomovs “Robozid – Das große Verschrotten” und Edi LaGurkis “Buschzulagenficker” fächern (diversifizieren) wir die Bandbreite des Genres auf, vom Cyborg-Mystery bis zum Realistisch-Gegenwärtigen.

Es ist wiederum Hans I. Glock, der mit “Der Herbert ist dem Karl sein Freund” die Begrifflichkeit infragestellt. Das außerordentliche Werk, ein spätpubertärer Western, beinhaltet in der Tat nur Rudimente von Crime Fiction und Suspense, lässt aber den Bodensatz allen Schunds erkennen: die selige Jugend beziehungsweise die Erinnerung daran, der Widerwillen, erwachsen zu werden. Man könnte dieses genuine Phänomen von “Genre” natürlich speziell auf den Krimi münzen, der in seiner “nicht elaborierten”, sprich nicht mit allerhand Anspruch kontaminierten Gestalt genau jene in “Herbert” offensichtliche Triebfeder des Schundkonsums zur Grundlage seiner Existenz macht.

Nach dem zweiten Streich von O.M. Gott (“Bankraub”) respektive Edi LaGurki (“Loch Starnberg”), wiederum Krimis reinsten Wassers, stehen zwei Werke ins Haus, die offensichtlich Schund, aber kein KRIMIschund sind, Michel Pinacs Ritterroman “Schlächter der Ungläubigen” (erscheint in ca. 2 Wochen) sowie Linda Vincis Urwaldsaga “Tavora, Herrin des Dschungels”. Schund ja, doch andere Genres? Wir verweisen wieder auf die psychologischen, bereits in Glocks “Herbert” luzide herausgearbeiteten Zusammenhänge. So gut wie jedes Schundgenre arbeitet mit Gut und Böse, mit Verbrechen und Suspense. In Pinacs “Schlächter der Ungläubigen” wird es zudem gar einen Mordfall und einen Ermittler geben, die Spannung liegt indes anderswo, in dem Zusammentriffen unterschiedlicher historischer Zeiten und Orte. Linda Vincis “Tavora” wird die Abenteuerlust des Kindes feiern und ebenfalls eine stark kriminalistische Handlung favorisieren.

Man sieht also: Auch dort, wo nicht explizit “Krimi” draufsteht, ist möglicherweise “Krimi” drin. Wir empfehlen daher den Kompletterwerb der Reihe, da nur dadurch das große Thema Schund befriedigend und lehrreich aufgearbeitet und in seiner Substanz verstanden werden kann.

Vielen Dank, Herr Rudolph. Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Das Schundbüro

 

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